Tour

China – Weg nach Xiangcheng

Über staubige Piste und hohe Pässe nach Sichuan, Days 297-300

Juhui, wir sind wieder unterwegs! Eine abgelegene Gegend mit hohen Pässen wartet auf uns. Deshalb statten wir dem Markt nochmals einen Besuch ab und füllen unsere Taschen mit genügend Proviant. Für den ersten Radeltag nehmen wir es gemütlich. Auf 2800 Meter am Fluss campieren wir. Es war schon lange nicht mehr so schön warm. Bei schönstem Wetter radeln wir weiter und bewältigen den Pass von 3900müM. Oben angekommen, wehen unzählige tibetische Gebetsfahnen im Wind. Warm eingepackt geniessen wir die wunderschöne Aussicht. Das schöne am Pässefahren ist, dass sich meistens dahinter eine ganz neue Gegend zeigt. So kommen wir in ein enges, grünes Tal mit grossen herrschaftlichen Häusern. Wir finden ein gutes Hotel und geniessen die warme Dusche.

Am nächsten Morgen steht die Königsetappe bis zur nächsten größeren Stadt Xiangcheng auf dem Programm. Königsetappe deshalb, weil eine 60km lange Schotterpiste mit zum Teil sandigen Abschnitte auf uns wartet. Wir kommen sehr gut voran und machen eine lange Mittagspause. Nach drei Stunden haben wir den Mountainpass 4300müM erreicht. Die Strecke führt weiter auf Schotter und einige Gegenanstiege bewältigen wir bis dann die Strasse sandiger und extrem staubig wird. Nach sechs Stunden Fahrt finden wir an einem Bach auf 3800müM ein schönes Plätzchen. Am Morgen werden wir von einer Yakherde mit Hirt begrüsst. Wir haben noch nie so grosse und schöne Yaks sogar mit Kälber gesehen.

Die Abfahrt ist mit diesem Sand und Staub fast noch anstrengender als der Aufstieg! Immer wieder werden wir eingenebelt von vorbeifahrenden LKWs und Autos. Nach einer Stunde durchgerüttelt zu werden, fahren wir erleichtert in Ranwu auf den Asphalt. Ein kurzer Abstecher zur Hotspring ist leider enttäuschend und so sind wir wieder auf der Weiterfahrt nach Xiangcheng.

Mit dem Pass haben wir die Region Yunnan verlassen und sind nach Sichuan gelangt. In Sichuan hat sich die Gegend und die Menschen stark verändert. Es ist trockener, ja sehr karg in der Höhe und jeweils unten entlang des Flusses hat es oasenähnlich, grüne Terrassenfelder. Die Leute sind sehr freundlich, haben einen sehr dunklen Teint und sprechen tibetisch. Anstelle von “ni hao” wird nun “hallo” gerufen und mit unserem chinesischen Übersetzungsapp stehen wir manchmal an, da viele nur noch die tibetische Schrift lesen können. Zu unserer grossen Enttäuschung funktioniert auch unsere SIM-Karte nicht mehr. Das heisst hier in Sichuan fallen nun extrem hohe Roaminggebühren für unsere Yunnan-Karte an. In ein paar Stunden ist der Monatskredit aufgebraucht.

Nach fünf Stunden Fahrt kommen wir in Xiangcheng staubig im Hotel an. Zu unserem Glück sind wir bereits im Zimmer, als es zu regnen beginnt und zu unserer Überraschung dürfen wir die staubigen Räder ins mit Teppich bezogene Zimmer nehmen, wo wir sie dann gleich im grossen Bad abduschen. Zu unserer Freude ist Guy und Kamilla immer noch hier und wir tauschen einmal mehr unsere Erlebnisse aus😀.

volle Distanz: 232.22 km
Maximale Höhe: 4333 m
Minimale Höhe: 2675 m
Gesamtanstieg: 4382 m
Gesamtabstieg: -4621 m

China – Shangri-la

Abwarten, Days 284-296

In der Stadt Shangrila starten wir am nächsten Morgen den Visamarathon. Um die Meldebestätigung zu kriegen, radeln wir zur Polizeistation. Doch erst bei der Zweiten können sie uns die Meldebestätigung ausstellen. Beim PSB (Public Security Bureau) treffen wir alles verriegelt an. Was nun? Es ist Freitag und laut Öffnungszeiten sollte sie offen sein und erst am Montag wieder öffnen. Aber zum Glück winkt uns ein Beamter rein. Freundlich werden wir informiert, dass die Meldebestätigung noch nicht reicht. Es braucht: Einen schriftlichen Reisebericht, Visaformular und für ein Formular müssen wir ans andere Ende der Stadt radeln und bei einem Fotografen für 80yüan (12.-sFr.) wird das verlangte Formular erstellt. Wir bekommen gleich noch 8 Passfotos dazu. Die können wir bestimmt später wieder gut gebrauchen.

Am Samstag gehen wir mit allen Dokumenten zum PSB. Oh Schreck! Schon wieder geschlossen, obwohl sie uns deutlich versprochen haben, dass offen sei. Beim Reingucken stellen wir fest, dass der Beamer läuft und Licht brennt. Wir klopfen an die Tür und warten gespannt. Es tut sich nichts. Da entdeckt Andi eine Telefonnummer und schon bald kommt eine zackige Beamtin, öffnet die Tür, stellt Chinesische Musik ein und richtet ihren Bürotisch ein, während dem wir gespannt im Wartesaal sitzen. Dann dürfen wir unser Anliegen darbringen. Oh nein die Passkopie fehlt. Aber irgendwie geht es dann ohne, nochmals ein Foto wird geknipst, Daumenabdrücke gemacht und 160 yüan (24.-sFr.) pro Person bezahlt. In fünf Arbeitstagen können wir unser Visa und Pässe wieder haben 😳. Nein, so lange wollen wir nicht warten! Die Beamtin erklärt uns, dass dies schnell sei und dass es an anderen Orten sogar eine Woche dauert. Als wir dann nachfragen, wann wir denn nun genau das Visa abholen können, sagt sie: ” Okay, kommt am Montag wieder!” Wir glauben es kaum! Was war denn das? Ein Witz? Wir dürfen der Beamtin am Montag wenn wir losfahren anrufen, sodass sie dann im Büro ist. Unglaublich! That’s China!

Wir nutzen die Zeit, um das Chinesische Essen besser kennen zu lernen: Wir probieren Dumblins, Yakkäse, Chinese-Burger, getrocknetes Yakfleisch, Butter-Milk tea (nicht so unser Geschmack), heisse Sojamilch, Nudeln, Wantan (gefüllte Teigtaschen in einer Suppe), Yakjoghurt und Fladenbrot. Aber in unserem absoluten Lieblingsrestaurant, welches sehr unscheinbar ist und gerade drei Tische hat, werden wir mit diversen Gemüse- und Hülsenfrüchtegerichte bekocht. Die Köchin und ihre Tochter wachsen uns ans Herz und sie schenken uns sogar die letzte Mahlzeit. Mittlerweile sind wir bereits recht geübt mit den Stäbchen 🥢 zu essen.

Täglich schlendern wir durch den pulsierenden Markt. Im Gegensatz zur verschlafenen Altstadt, welche jedoch erst um 2002 erstellt und vor vier Jahren zu 70% niedergebrannt und wieder neu aufgebaut wurde, ist der Markt extrem lebendig.
Wir decken uns mit Decken, Bett- und Thermosflaschen ein, da Heizungen ein Fremdwort hier ist. Dafür haben sie Matratzenheizungen, welche wir in den kommenden Etappen über 4000müM im Zelt vermissen werden. Zudem braucht Judith eine Ersatzschlafmatte, aber leider gibt es da nur chinesische Qualität…

Kamilla und Guy das USA-Radlerpaar trifft ein. Wiedersehen macht Freude! Wir haben eine super gemeinsame Zeit und wir werden ins “Bananagram-Spiel” eingeführt, welches wir dann später selber bastelten.

Am Montag hat die Beamtin dann doch keine Zeit und wir werden auf Dienstag vertröstet. Am Dienstag trifft das Radlerpaar Stefan und Jessica ein und so sind wir sechs am Abend mit Juanita sogar 7 Tourenradfahrer im gleichen Hostel😀 Wir haben einen sehr spannenden Austausch mit intensiver Planungsdiskussionen der Chinareise, da alle ein viel zu kurzes Visa haben und China zu gross ist. Es ist frustrierend wie das Visa die Reiseroute und die Geschwindigkeit bestimmt. So sind Jessica, Stefan und Juanita zu früh in Shangrila (man darf hier erst in den letzten 7 Tagen verlängern) und können ihr Visa noch nicht verlängern, aber beim nächsten PSB müssen sie vor den 7 Tagen sein, was per Rad nicht möglich ist. Somit bleibt ihnen nichts anderes übrig als mit dem Bus nach Leshang zu fahren.

Am Dienstag können wir dann endlich unsere Pässe mit den neuen Visas abholen. Jedoch hat sich Andis Erklältung etwas verschlimmert und somit warten wir noch einige Tage ab. Nach fast zwei Wochen in Shangrila ist dann auch Andis Husten etwas zurück gegangen und wir machen uns auf in Richtung Litang. Während den letzten Monaten haben wir viel diskutiert und recherchiert, wo unsere Reise weitergehen soll. Endlich haben wir uns entschieden, wie und wo es nach China weiter geht! Flug ist gebucht. Aber wir verraten noch nichts😂

China – Lijiang, way to Shangri-la

Kein Zuckerschlecken, aber sehr lohnend! Days 275-283

9 Monate sind wir bereits unterwegs. Dies nutzen wir, um allen lieben Leute, welche uns vor und auf unserer Reise irgendwie unterstützt und geholfen haben, ganz herzlich danke zu sagen! 🙏
Auf einer kleinen Nebenstrasse radeln wir die letzten Kilometern durch die blühende Landschaft nach Lijiang.
In Lijiang picknicken wir in einem Park. Selbst in diesem touristischen Ort Lijiang checken wir in ein günstiges, neues Hotel für 40 yüan (6.-sFr.) ein. Wir besichtigen die Altstadt von Lijiang, geniessen die schöne Aussicht über die Dächer und tauchen einmal mehr in den geschäftigen Markt ein. Am Abend treffen wir Guy und Kamilla, das Radlerpaar von der USA und wir haben einen sehr spannenden Austausch.

Nach zwei Ruhetagen in Lijiang fahren wir bei schönem, jedoch sehr windigen Wetter, los in Richtung Leaping Gorge. Wir wählen den Weg durch den snow mountain Nationalpark. Beim Eingang in den Park verlangen sie 100 yüan (15.-sFr.) pro Person. Zum Glück erinnert sich Judith an den Blog von einem Deutschen Radlerpaar ride-worlwide.com, dass diese nicht bezahlen mussten. Auch uns gelingt es die Wächter zu überzeugen, dass wir nur durchradeln ohne den Park zu besichtigen und können gratis durch den Park fahren. Die Landschaft mit den Lärchen ähnelt dem Engadin. Die Kulisse mit dem Jade Dragon Snow Mountain ist wunderschön und wir rollen über den höchsten Pass auf unserer Reise 3200 müM. Es gibt sehr viele Cars gefüllt mit Chinesischen Touristen, welche zum Golfspielen, zum Fotografieren mit den Yaks oder zur Gondel gehen. Einige tragen sogar eine Sauerstoffflasche mit sich. Vor allem beim See mit den Yaks können wir über die Szenerie nur den Kopf schütteln. Der zweite Gegenanstieg hat es inn sich, da eine Pflastersteinstrasse hochführt. Wir vernichten einige Höhenmeter bis wir dann auf 2900müM. unser Zelt aufstellen. Das Lagerfeuer wärmt uns und ein besorgter Chinese ermahnt uns, dass wir das Feuer auch gut löschen müssen. Es ist sehr trocken.

Andi ist mit Durchfall geplagt und somit sind wir froh, dass am nächsten Tag 1700 Höhenmeter Abfahrt bevorstehen. Die Aussicht auf den drittlängsten Fluss der Welt Yatze ist einmalig! Auf den Terassenfeldern wird gerade das Getreide meist von Hand zu Garben gebunden. Die Fähre bringt uns in Daju für 50 yüan (7.50 sFr.) auf die andere Seite. Der Wind peitscht durch die Tiger leaping Schlucht ins Gesicht, während dem wir uns die zum Teil sandige Kiesstrasse hochkämpfen. Andi fühlt sich nicht fit und so radeln wir zu einem Aussichtspunkt in die Tiger leaping Schlucht und kehren dann in Richtung Shangrila um.

Wir legen einen Tag Ruhepause ein, sodass Andi wieder zu Kräften kommen kann. Mittlerweile sind auch Kamilla und Guy eingetroffen. Unsere Wege trennen sich aber wieder. Wir fahren ohne Gepäck nur kurz zum Aussichtspunkt in die Schlucht. Ohne Gepäck fährt es sich schnell und wir sausen beim Kassenhäuschen vorbei. Dies bemerken wir erst als aus dem alten, unscheinbaren Häuschen uns jemand zuruft. Aber dann sind wir schon weiter. Wir sind bereits weit gekommen bis wir dann von zwei Sicherheitsmännern aufgehalten werden, welche von uns das Ticket von 65yüan (9.-sFr) pro Person sehen wollen. Wir erklären ihnen, dass wir kein Schild gesehen haben und dass wir nicht wandern gehen und nur ein Tee im Gästehaus trinken wollen. Dies ist für sie okay und wir geniessen die Aussicht in die Schlucht während wir ein Naxi-Brot verköstigen. Dies ist ein Fladenbrot, welches in der Pfanne gebacken wird.

Anschliessend rollen wir zurück zu unserem Hostel und mit Gepäck trampen wir die schlängelnde Strasse hoch und geniessen die sensationelle Aussicht kurz vor Haba auf die schönen Terassenfeldern. In der heimeligen Stube des Gästhauses kocht uns die Besitzerin ein feines Abendessen und anschliessend kriechen wir in die mit Matratzenheizung vorgewärmten Better. Andis Bauch rumpelt immer noch etwas, was die Anstiege noch anstrengender macht.

In Dugou besichtigen wir die weissen Terassen. Die natürlichen sind sehr schön, jedoch unterhalb sind Bauarbeiten von künstlichen weiteren Terassen am Laufen. Wir können nur den Kopf schütteln.

In San Ban hat es zu unserer Freude einen guten Shop mit vielem Gemüse und Früchte. Die Infrastruktur hier auf dieser Höhe und in den kleinen Dörfern ist jedoch meist schlecht. Wir zelten auf 2800müM und packen uns warm in den Schlafsack ein. Es ist sehr kalt und der Wind weht ums Zelt. Brrrrr. Am Morgen sind wir über die wärmende Sonne dankbar und tapfer kurbeln wir die weiteren Höhenmeter der heutigen Etappe hoch. Es geht über 3600 müM! Die wunderschöne Aussicht belohnt uns einmal mehr. Kurz vor dem letzten Pass nach Shangrila 3700müM campen wir auf 3300müM bei einer Bushaltestelle direkt an der Strasse. Wir haben kein anderes flaches Plätzchen gefunden. Wir waren schlichtweg zu erschöpft, um noch weiter zu radeln und noch weiter oben zu übernachten, wollten wir nicht! Die Nacht war einmal mehr kalt. Zudem ist nun auch Judiths sechsjähriges Exped-Mätteli kaputt! Es hat sich am dümmsten Moment eine Blatter aufgetan! Es war also kein erholsamer Schlaf. Zum Glück begrüsst uns am Morgen die wärmende Sonne und wir radeln noch die letzten Höhenmeter zum höchsten Pass unserer Reise 3700müM hoch. Die Luft wird dünner, die Gräser dörrer und die Tannen kleiner.

Das nächste Tal ist karger als die zuvor. Es grasen Yaks, Pferde, Ziegen und Schweine auf mageren Wiesen. Die Dörfchen sehen verlassen aus. Die herrschaftlichen Bauernhäuser sind zum Teil verlottert und einige werden neu renoviert. Unser Essensvorrat ist ausgegangen, unser Magen knurrt und unsere Energie ausgeschöpft. Einmal mehr gibt es kein Restaurant und in dem einem Shop gibt es nur Süssigkeiten und Instantnudelsuppe. Wir fahren weiter und hoffen doch noch ein Restaurant zu finden. Kurz vor Shangrila kehren wir ein. Wir essen sehr fein, jedoch so teuer war es noch nie! Überrascht und schockiert über diesen hohen Preis können wir nichts anderes machen als bezahlen und in Zukunft wieder vorsichtiger sein und im Voraus fragen.

In Shangrila wird die Hotelsuche zu einer Odyssee! Da wir für die Verlängerung des Visas ein Hotel mit Bewilligung für Ausländer brauchen. Wir klappern sämtliche Hotels ab, welche uns gerne aufnehmen und uns passen würden, jedoch stellte sich immer heraus, dass sie uns nicht registrieren können, da sie die Bewilligung nicht haben. Letztendlich finden wir eines, welches viermal teurer ist.

volle Distanz: 297.23 km
Maximale Höhe: 3703 m
Minimale Höhe: 1612 m
Gesamtanstieg: 6023 m
Gesamtabstieg: -5056 m

China – Dali, way to Lijiang

Der Frühling ist da!, Day 270-274

Mit dem neuen, spannenden Audiobuch über China und seine Geschichte radelt es wie von selbst den letzten Pass hoch und dann runter zu unserem ersten Ziel, nämlich Dali. Zuerst treffen wir in der Grossstadt Dali ein. Erst 15 Kilometer später befindet sich die touristische, aber sehr schöne Altstadt. Bevor wir unseren Warmshower-Host treffen, sehen wir das USA- Radlerpaar Guy und Kamilla, welche seit zwei Jahren unterwegs sind und nun ebenfalls die gleiche Route radeln wird. Wir werden uns auf dem Weg bestimmt wieder sehen.

Heimat zeigt uns den lokalen Markt und die wunderschöne, aber leider auch sehr touristische Altstadt von Dali. Wir geniessen es einen privaten Führer zu haben und welcher uns sehr vieles über die chinesische Geschichte, Kultur und Sprache erzählen kann! Am Erhai-See Reihen sich die neuen und nobeln Hotels aneinander, jedoch dürfen sie seit einem Jahr, anscheinend wegen Umweltschutz, nicht mehr betrieben werden.

Wir verabschieden uns von Heimat und radeln in Richtung Lijiang. Auch auf diesen Höhen von 2000-2500müM sind die Temperaturen mit 20 Grad sehr angenehm. Überall blüht und grünt es! Es ist zauberhaft schön! Dies lockt viele Chinesen zum Fotografieren auf die extra dazu erstellten Blumenwiesen.

Im kleinen Dörfchen Xizhou schlendern wir durch den Markt. Es ist bekannt für die chinesischen Pizzas, welche jedoch aus unserer Sicht nicht viel mit Pizza zu tun hat. Es ist einfach ein flaches, kleines Brot mit ein bisschen Kräutern drin und manchmal mit einem Spiegelei darauf. Am Abend finden wir ein Plätzchen, wo wir campieren. Am Morgen aus dem Zelt zu kriechen und von der wärmenden Sonne in Empfang genommen zu werden, gemütlich zu frühstücken, dann aufs Rad zu steigen und nach wenigen Kilometern auf einem chinesischen Markt einzutauchen – das ist einfach fantastisch! Schön ist auch die Landschaft bis wir dann kurz vor Lijiang auf eine Ebene kommen, die uns an das Rheintal erinnert. Am Abend finden wir wiedermal ein fantastische Hotel für nur 10.- Sfr.

volle Distanz: 172.63 km
Maximale Höhe: 2554 m
Minimale Höhe: 1931 m
Gesamtanstieg: 1733 m
Gesamtabstieg: -1333 m

China – Kunming, way to Dali

Uns kommt alles Chinesisch vor!, Day 262-269

Wir landen Mitten in der Nacht in Kunming. Uns kommt alles Chinesisch vor! Zum Glück erleben wir eine grosse Hilsbereitschaft der Chinesen hier. Wir werden sogar spontan vom Chinesen Anderson zum Abendessen eingeladen und in die chinesische Sprache eingeführt. Wir sind überwältigt. Das Organisieren der SIM Karte erweist sich als sehr schwierig. Überall werden wir wieder weggeschickt. Die Gegend wo wir übernachten ist sehr muslimisch geprägt und so finden wir auch unsere heiss geliebten Datteln bei einem Shop vor der Mosche. Am nächsten Tag beim Mittagessen treffen wir auf die Pakistan Studenten. Sie laden uns zu sich nach Hause ein. Wir haben spannende Unterhaltungen mit vielen guten Tipps für hilfreiche Apps. In China sind nämlich Google, Whatsapp und Facebook gesperrt. Das Installieren von VPN’s erweist sich als sehr schwierig, nur ExpressVPN funktioniert wirklich gut. Wir geniessen den feinen Tee und das pakistanische Abendessen. Mit ihrer Hilfe wird es ein Klacks an der Uni die SIM Karte zu bekommen. Diese grosse und warmherzige Gastfreundschaft berührt uns sehr! Sogar die Taxikosten zurück zu unserem Hotel werden uns bezahlt!

Gut eingepackt in den warmen Radkleidern, welche wir aus den tiefen unserer Taschen ausgraben mussten, radeln wir in Richtung Dali. Leider ist diese Etappe noch nicht so schön, da es eine grössere Strasse mit mässigem Verkehr ist. Umso mehr freut es uns am Mittag den ersten Hotpot geniessen zu können. Am Abend finden wir in einem kleinen Dörfchen ein super, günstiges Hotel. Fürs Abendessen werden wir sogar mit Gemüse aus dem Garten beschenkt.

Bei diesen angenehmen Temperaturen können wir uns am Morgen wieder etwas Zeit lassen. Die Gegend ist nun sehr schön. Zuerst führt die wenig befahrene Strasse entlang eines Flusses. Dann gibt es viele treppenartige Felder, welche mit verschiedenen Gemüse bepflanzt sind und auf welchen tüchtig von Hand gearbeitet wird. Es ist auch wieder länger hell bis halb acht und so campieren wir mit schöner Aussicht und unsere Taschenlampen kommen erst spät in Betrieb.

Bis nach Lucheng kämpfen wir mit Gegenwind, mit staubigen Strassenabschnitte, mit vielen Lastwagen und mit einer sechsspurigen, zum Glück nicht allzu stark befahrenen Strasse. Das Highlight des Tages ist die Altstadt in Lucheng. Am Abend hält uns der starke Wind und die Gewitterwolken vom Campieren ab.

Am nächsten Morgen fahren wir endlich wieder einmal einen schönen Pass mit angenehmer Steigung. 😀 Zur Mittagszeit kehren wir in einem kleinen Restaurant ein. Wir zeigen für die Bestellung einfach auf die Teller der anderen Gäste. Meistens gibt es in den Restaurants grosse Kühlschränke mit einer Glaswand. Da zeigen wir auf das Gemüse, welches wir haben möchten und sind dann aufs Gericht gespannt. Wie bereits in Thailand müssen wir explizit sagen, dass wir kein MST, kein Zucker und keine Sojasauce möchten, denn nur so rumort unser Bauch nicht. Der starke Wind hält uns auch an diesem Abend vom Zelten ab. Wir halten nach einem Hotel Ausschau, was gar nicht einfach ist mit den chinesischen Zeichen! Wir werden aber fündig😀

volle Distanz: 419.74 km
Maximale Höhe: 2454 m
Minimale Höhe: 1478 m
Gesamtanstieg: 4173 m
Gesamtabstieg: -3900 m

Thailand 2

Nun können wir wieder aufatmen und verstauen unsere Atmenschutztücher zuunterst in die Taschen, denn in Thailand ist es auffallend weniger staubig. Jedoch heisst es doppelte Konzentration, denn es ist wieder Linksverkehr und die Thailänder haben weltweit am zweitmeisten Verkehrsunfälle. Die Gegend ist sehr schön! Zuerst führt die wenig befahrene Strasse mit schöner Aussicht über Hügellandschaft und dann geniessen wir eine erfrischende Abfahrt. Den Mittagshalt machen wir an einem Rastplatz mit Hüttchen für uns sogar mit Strom! Es ist wieder erdrückend heiss. Erst um 15:30 Uhr radeln wir weiter. Nach dem Einkauf trampen wir den nächsten Anstieg hoch, welcher sich einmal mehr als extrem steil erweist! Leider finden wir nicht wie geplant ein Schlafplatz beim Aufstieg. So kämpfen wir uns bis ganz nach oben. Erst nach Sonnenuntergang kommen wir verschwitzt oben an. Wir finden ein schönes Plätzchen mit wunderbarer Aussicht, jedoch müssen wir einmal auf die Dusche verzichten.
Wir sind erschöpft! Die letzten Tage und die Etappe in Laos waren extrem streng! Zum Glück geht es mehrheitlich bergab. Wir nehmen es gemütlich, kehren bei einem Kaffee ein und in Bang Song Kwae essen wir unser geliebtes Pad Thai. Überraschenderweise ist es ein herziges Dörfchen. Als wir eine Waschmaschine entdecken und die Besitzerin uns ihr Hostel zeigt, nehmen wir es mit grosser Freude! Die Besitzerin des Hostels ist auch noch Lehrerin. Es sind gerade die Sommerferien. Sie zeigt uns gerne die Schule. Hier ist Englisch ein wichtiges Unterrichtsfach. Mehrmals wünscht sie sich, dass Judith bei ihrer Schule Englisch unterrichten kommt. Ja wer weiss vielleicht später einmal… Am Abend wird am Fluss gefeiert. Die Musik ist extrem laut und für unsere Ohren auch mit Ohrenpax unangenehm!

Wir nutzen die Ruhepause, um unsere Chinareise genauer zu planen. Es wird uns bewusst, dass unser 30-Tagevisa viel zu kurz ist! Dies ist nun ein grosses Problem. Wenn wir wie geplant von Laos über Land nach China einreisen wollen, dann brauchen wir nur schon zwei Wochen bis wir in der von uns gewünschten Region nämlich Dali sind. Bereits nach 23 Tage müssten wir in Shangri-La sein, wo wir das Visa dann um 30 Tage verlängern könnten. Das ist einfach zu wenig Zeit und so viel stress wie wir im Iran hatten, wollten wir nicht wieder haben. In einem Bericht von anderen Traveler lesen wir, dass die aus dem gleichen Grund eine 14-stündige Busfahrt in einem Liegebus zurückgelegt haben. Auf diesen haben wir definitiv keine Lust und entscheiden uns etwas widerwillig für die Variante Flugzeug. Wir sind etwas gefrustet und wir kommen uns fremdbestimmt vor! Wir hinterfragen es einmal mehr, ob wir wirklich nach China reisen wollen oder nicht. Letztendlich entscheiden wir uns dann doch für die Chinareise und buchen den Flug von Chiang Mai nach Kunming.
Komischerweise erwacht Andi nach der zweiten Nacht in diesem Hostel am ganzen Körper übersäht mit roten, juckenden Punkte. Er muss wohl nächtlichen Ameisenbesuch gehabt haben 🐜🐜🐜🐜🐜 Die Hostelbesitzerin fährt uns zum Spital, wo Andi eine Antijucksalbe bekommt. Wir radeln weiter. Die Strecke ist sehr schön auch wenn sie immer wieder mit sehr steilen Anstiege gespickt ist. Am Abend radeln wir noch bis zur nächsten Apotheke, da Andis Ameisenbisse wieder extrem jucken! Übernachten dürfen wir einmal mehr in der offenstehenden Aula der Schule.
Am nächsten Morgen kaufen wir beim Markt Gemüse und Früchte für die nächsten zwei Tage ein. Es geht nämlich zum Pu Chi Fa hoch und in dieser Gegend werden wir nur in kleine Dörfer kommen. Zum ersten Mal fahren wir bei einer Mangoplantage vorbei. Die Strecke ist wunderschön und die Strasse einsam. Erst als die Strasse sich in Schotter verwandelt und noch extrem steil wird, sodass wir unsere Stahlrösser bei der Mittagshitze 3/4 Stunden hochschieben müssen, wissen wir wieso die Strasse so einsam ist😂 Nach einer Mittagspause mit schönster Aussicht kämpfen wir uns noch die letzten Anstiege bis zum schönen, asphaltierten Höhenweg. Jetzt haben wir fast alle Höhenmeter und mit schönster Aussicht radeln wir zum Dorf unterhalb des Pu Chi Fas. Wir campieren auf einem Campingplatz ⛺️, geniessen den wunderschönen Sonnenuntergang und freuen uns über die kühleren Temperaturen.

Am nächsten Morgen radeln wir zum Pu Chi Fa hoch. Wow, dieses Stück hat es nochmals inn sich mit diesen steilen Strassen! Trotz Asphalt müssen wir einmal kurz absteigen und schieben😳 Wieso bauen die Thailänder nur so steile Strassen? Auch auf der Abfahrt hat es extrem steile Abschnitte drin, da sind Skipisten einen Dreck dagegen! Zum Glück sind wir nicht von dieser Richtung hochgekommen!
In einem gemütlichen Hostel übernachten wir, nachdem wir auf dem Sonntagsmarkt eingekauft haben und uns ein feines Abendessen kochen. Am nächsten Morgen fallen noch die letzten Regentropfen. In der Nacht gab es starken Regenschauer. Gemütlich machen wir uns auf den Weg auf der schön flachen Strasse dem Mekong entlang nach Chang Kong. Dort organisieren wir uns einen Bus nach Chiang Mai und finden eine günstige Unterkunft. Jedoch in der Nacht zahlt es sich aus, dass es manchmal sich lohnen würde etwas mehr für eine Übernachtung zu bezahlen… Das Moskitonetz ist so löchrig, dass es nichts nützt. Es juckt uns am ganzen Körper und als wir das Licht anmachen, sehen wir krappelnde kleine Tierchen über die Matratze krabbeln. Wenn wir sie zerdrücken, hinterlassen sie eine Blutspur. Aha, das beisst uns wohl! Wir packen unser Innenzelt und stellen es neben den Pool. Nach zwei Stunden erwachen wir erneut, da es zu regnen beginnt. Da wir nur das Innenzelt aufgestellt haben, müssen wir schnell unters Dach umziehen. Was für eine Nacht! Zum Glück können wir am nächsten Tag einfach für 5,5 Stunden in den Bus nach Chiang Mai sitzen.

In Chiang Mai bleiben wir sechs Tage. Beim Triplecat Bikeshop kann Andi seinen Brooks-Sattel ersetzen und Judiths Sattel bekommt für 100 Baht (3.- Fr.) einen neuen Lederbezug. Zudem ersetzen wir Judiths Reifen und Andis rostige Kette. Die Hitze in Chiang Mai dämmt etwas unsere Entdeckungstouren ein. So geniessen wir es uns in den kühlen Kaffees und Restaurants aufzuhalten…
Am 3. April verabschieden wir uns von Thailand und fliegen nach Kunming. Wir freuen uns und sind auf das Abenteuer China gespannt.

Fazit: Wir haben in Nordthailand eine der schönsten Routen mitgenommen und dazu noch von der richtigen, wenigeren steilen Seite. Leider haben wir am Schluss deutlich weniger als geplant von Nordthailand gesehen, jedoch waren wir irgendwie von Thailand gesättigt und es wurde unerträglich heiss. Thailand hat sich extrem verändert. Die Insel KoLanta war ein klares Highlight von Thailand. Das Freicampieren in Thailand ist extrem einfach, da auf öffentlichen Plätzen, wie Schulen oder Grenzübergängen problemlos campiert werden darf. Somit wäre Thailand das perfekte Radreiseland. Aber Achtung die Thais frisieren die Autos, Motorräder, Tuktuks und sogar Lastwagen und donnern laut mit diesen über ihre perfekt betonierten Strassen. Dies kann extrem gefährlich werden, was auch die Verkehrsunfallstatistik zeigt. Zudem sind die Strassen extrem steil gebaut, was das Radeln nicht so attraktiv macht.

Laos

Mit einer Stunde Verspätung treffen wir mit dem Nachtzug in Nong Khai an. Wir nehmen unsere Räder entgegen und fahren in Richtung Grenze zu Laos. Plötzlich kracht es und Andis Sattel ist kaputt! 😳 Es bleibt Andi nichts anderes übrig als so weiterzuradeln. In Vientiane übernachten wir bei den Mönchen im Phat That Luang Park. Am Morgen machen wir uns mit den sorgfältig zusammengestellten Unterlagen zum China Konsulat. Die Dokumente werden kurz studiert und nach einem kurzen nicken, werden wir mit dem Auftrag 64$ US bei einer Chinesischen Bank einzuzahlen wieder weggeschickt. Zudem wird uns versichert, dass wir am Montag die Pässe wieder abholen können. Wow, das ging ja keine fünf Minuten und erst noch zum halben Preis als in Bangkok. Wir können der Sache noch nicht ganz trauen und sind auf alles gefasst. In der Zwischenzeit machen wir eine Tour nach Vang Vieng, um so nicht wieder 4 Tage “rumsitzen” zu müssen.
Nach 1 Stunde radeln, schmerzt Andis Hinter sehr, es geht scheinbar doch nicht mit dem gerissenen Sattel. Was nun? Wir versuchen per Autostop zurück nach Vientiane zu kommen. Da es dann aber bereits Dunkel wird, entscheiden wir uns hier zu campieren. Beim Schlafplatz findet Judith ein Verpackungsmaterial, welches perfekte Stütze für Andis Sattel wird und mit Eris Klebband kleben wir die gerissene Stelle wieder zusammen. Somit versuchen wir unsere geplante Tour weiterzuführen. Für einmal sind wir den Laoten dankbar, dass sie den Abfall einfach an den Strassenrad werfen.

Früh am Morgen sind wir unterwegs in Richtung Naxay. Am Mittag geniessen wir unsere Mittagspause am Fluss beim Dorfplatz. Natürlich sind wir schnell von einer interessierten Kinderschar umgeben. Die Mädchen haben an Judith Freude und singen zwei einfache internationale Englische Kinderlieder, bei denen Judith mitsingen kann.
Als es abgekühlt hat, fahren wir weiter. Die Strasse wird zu unserer Überraschung schlecht und Judith macht nach mehr als 9500 Kilometern radeln die schmerzhafte Erfahrung, dass Bremsen mit der Vordebremse auf Kies Tabu ist. Zum Glück kommt sie mit ein paar blauen Flecken und kleinen Schürfwunden heil davon.
Wir kommen nur langsam vorwärts und immer wieder werden wir von vorbeifahrenden Trucks eingestäubt. Kurz bevor es eindunkelt, bitten wir ein LKW-Fahrer um Wasser, da das Waschen der Schürfwunde unsere Vorräte etwas strapaziert hat. Diesen Abend gibt es nur Katzenwäsche 🐈.

A probos Katze am nächsten Morgen hängt bei einem Stand am Strassenrand eine Wildkatze, welche auch sogleich gut verkauft wird. Auch die Eichhörnchen finden Käufer. Jetzt wissen wir auch, wieso die Laoten mit der Flinte umgehängt auf den Feldern arbeiten. Jagdzeit ist hier Jahr aus Jahr ein.

Wir haben Glück, dass es in der Nacht geregnet hat und somit die Strasse nicht so staubig ist. Somit sind die ab und zu vorbeifahrenden LKWs okay. Ein steiler Anstieg führt zu einem grossen Stausee und Baustelle. Die Wasserkraft wird hier im grossen Stiel ausgebaut. Wir versuchen auf dem Markt in Namngon herauszufinden, ob es die Fähre gibt, die uns über den Stausee führen und einige Höhenmeter ersparen soll. Bis zum Schluss wissen wir nicht, ob es die Fähre nach Laksaosy gibt und fahren die 20km Schotterpiste runter zum See. Wir atmen auf, als wir dann den Bootssteg erreichen und nicht wieder zurück müssen, auch wenn die nächste Fähre erst wieder am nächsten Tag fährt. (Sie fährt jeweils nur einmal pro Tag und nur in eine Richtung!) Der Ort gefällt uns und wir übernachten dort gerne.

Die Überfahrt dauert fast drei Stunden. Am Abend kommen wir in Vang Vieng an. Wir versuchen ein Motorrad 🏍 zu mieten, um unsere Pässe und das Chinavisa in Vientiane zu holen. Jedoch ohne Pässe gibt uns niemand ein Motorrad 🙁 Somit stehen wir am nächsten Morgen um 6:00 Uhr an der Strasse und halten einen Minivan an, der uns in 3,5 Stunden holpriger und kurvenreichen Strasse nach Vientiane bringt. Die gleiche Strecke geht es dann am Nachmittag in rasanter Fahrt in 3 Stunden wieder zurück. Erschöpft und glücklich mit unserem China Visa in der Hand geniessen wir das schöne, jedoch sehr touristische Städtchen Vang Vieng. Haben wir es also doch geschafft das China Visa zu erhalten, auf caravanistan.com haben wir von einigen Misserfolgen in den verschiedensten Ländern gelesen.
No photos

Am nächsten Tag geht es wieder weiter nach Luang Prabang. Bereits nach wenigen Kilometern werden wir von einem kräftigen Regenschauer überrascht. Zum Glück können wir rechtzeitig unterstehen. Nach 15 Minuten ist es wieder vorbei und wir radeln mit einem improvisierten Schutzblech an Judiths Fahrrad weiter. Wieder einmal mehr vielen Dank an die Laoten, dass sie alle ihre Strassen mit Plastik verzieren. Somit ist unser neues Schutzblechkonzept vollendet, denn alle Taschen und Flaschen geben, bis auf wenige Ausbesserungen, genügend Schutz vor Spritzewasser. Die Landschaft mit den Felsen ist sehr schön. Bei Kasi entschliessen wir die neue Strasse Route 4 zu fahren, welche wegen des steilen Passes weniger befahren wird und eine schönere Aussicht haben soll. Wow, ja der Pass hat es inn sich! Er ist extrem steil! Es hat sich aber gelohnt diese Route zu wählen. Auf dem Pass gönnen wir uns eine frische Kokosnuss 🥥 und freuen uns auf die rassige Abfahrt.

Beim Eindunkeln finden wir bei einem Terrassen Reisfeld ein schönes Schlafplätzchen. Plötzlich trampelt eine Wasserbüffelherde hervor. Der Bulle kommt mit seinen grossen Hörner auf uns zu. Uns ist nicht mehr wohl und wir ziehen uns zurück. Nach einer Weile sind sie nicht mehr an uns interessiert, ziehen wieder weiter😅 und wir können zu unseren Velos und Lagerplatz zurück. Etwas später kommt der Viehhüter mit seinen drei Jungs mit Taschenlampen und Körbchen ausgerüstet. Sie zeigen uns, wie sie Frösche sammeln. Froschschenkel ist wahrscheinlich auch so ein Erbe, aus der französischen Kolonialzeit, wie das Baguette, das es hier vielerorts gibt.

Am nächsten Tag, rechtzeitig zum Sonnenuntergang, fahren wir in Luang Prabang ein. Wir bleiben nur eine Nacht und fahren am nächsten Morgen mit den gefüllten Taschen mit Essensvorräte auf die abenteuerliche Etappe bis nach Hongsa. Abenteuerlich deshalb, weil es eine sehr wenig besiedelte Gegend ist und wir den Zustand der Strasse nicht genau wissen.
Auf der Openstreetmap ist sie als nicht asphaltiert gekennzeichnet. Mit der Fähre geht es über den Mekong.

Zu Beginn ist die Strasse gut asphaltiert. Jedoch schon bald geht es auf Schotter über. Es wird fleissig gebaut. Immer wieder werden wir von vorbeifahrenden LKWs eingenebelt. Die Menschen in den Dörfchen und kleinen Siedlungen sind sehr arm. Die Bevölkerung ist sehr jung. Wir sehen wenig alte Menschen. Vielmehr sehen wir viele Schwangere und stillende Frauen und viele Kinder. Diese winken uns meist freudig und lachend zu. Einmal mehr ist die Kommunikation extrem schwierig. Da eine längere Strecke von 75 Kilometern ohne Dorf mit vielen Höhenmeter kommt, wollen wir beim letzten Dorf unser Trinkwasser auffüllen. In diesem Dorf Nalai gibt es jedoch keinen Shop. Die Einheimischen zeigen uns den Dorfbrunnen, wo wir Wasser auffüllen, und wir uns auch waschen dürfen. Judith ist es schon den ganzen Nachmittag etwas übel, da die Suppe beim Frühstück im Hostel wahrscheinlich nicht mehr frisch war. So übergab sie sich nach der Dusche auf den Dorfplatz. Dies natürlich alles unter der genausten Beobachtung der Einheimischen. Die Hunde stritten sich um das Erbrochene und somit war das Missgeschick auch gleich beseitigt😂 Etwas nach dem Dorf sehen wir auf der anderen Uferseite des Flusses ein schönes Schlafplätzchen. Da es sonst rechts und links keinen flachen Platz gibt, schieben wir unsere Räder über den Fluss.

Am nächsten Tag kämpfen wir uns tapfer die steilen Aufstiege hoch und über die holprige Piste. Bei einem Pässchen oben machen wir halt. Zu Andis grosser Freude fährt prompt ein Eis-Verkäufer mit seinem Töff vorbei 😋 An diesem Tag bekommen wir trotz 4 Stunden radeln gerade nur 25 Kilometern vorwärts. Am nächsten Morgen geht es dafür mehrheitlich runter und zum Teil auf super fertigen, neuem Asphalt. Diese Strasse, welche Chiang Mai und Luang Prabang verbindet, ist ein einschneidendes Projekt in die Landschaft. Durch das Fällen der Bäume ist es nun sehr karg. Heute sind wir 8 Monate unterwegs. Die Piste hat es inn sich. Wir kommen nur langsam vorwärts. Es ist eine grosse Baustelle. Wir müssen Flüsse überqueren, werden vom Staub der LKWS eingenebelt und Andi fällt bei einer steilen, staubigen Rampe um. Zum Glück ist nebenan gleich ein Wasserfall und Andi kann sich den Dreck abwaschen. Gleich nach Hongsa ist die thailändische Grenze. Unser 15 Tagesvisa, welches für die Schweizer gratis ist, ist nun abgelaufen und wir müssen Laos wieder verlassen.

Fazit: Laos ist ein sehr armes, aber auch junges Land. Die Menschen sind extrem freundlich und ständig wird man mit einem lachenden “Sabadii” (Hallo) begrüsst. Die Strassen und Infrastruktur sind einiges schlechter als in Thailand. Dies zeigt sich auch in den Schulen und am Bildungsstand. Für einfache Rechnungen wie 1/4 vom Kilopreis braucht es heilpädagogische Unterstützung von Judith. Laos per Fahrrad zu bereisen ist einiges abenteuerlicher und hat uns viel besser gefallen als Thailand. Wir können Laos nur wärmstens weiter empfehlen. Der Tourismus wird bestimmt zunehmen, denn das Land ist im Aufschwung und die Unterstützung von China, dem grossen Bruder, ist überall sichtbar. Wir hätten gerne noch mehr gesehen von Laos, aber leider mussten wir den geplanten 2.Besuch auslassen.

Thailand 1

Am Morgen früh landen wir in Krabi. Unsere Räder warten bereits auf uns. Air Asia hat uns sehr überzeugt, da das Abfertigen der Räder unkompliziert ist. Wir bauen sie zusammen und radeln nach Koh Lanta, wo Andis Gotti auf uns wartet. Im Funky Fish Bungalow werden wir herzlich von Eri empfangen. Am nächsten Tag statten wir einen Besuch bei der Dentalhygienikerin ab. Wir geniessen das feine und vielseitige Thailändische Essen hier. Bereits in der Nacht fühlt sich Judith fiebrig. Sie hat sich wohl eine Erkältungsgrippe im Flugzeug eingefangen. Nach drei Tagen ist Judith zum Glück wieder gesund, jedoch braucht sie noch ein paar Tage bis sie wieder genug fit fürs Radeln ist. Endlich nach 8 Tagen sind wir wieder on the road again.

Per Schiff geht es nach Krabi und von dort in Richtung Ao Nang. Die Strecke dorthin ist sehr schön mit diesen spannenden Felsen. Ao Nang dagegen ist extrem touristisch, sodass wir gleich weiter fahren. Die Strecke ist zum Glück sehr schattig und wenig befahren. Als es dämmert, fragen wir bei einem Shop, ob wir hier campieren dürfen. Zu unserer Freude erlauben sie es uns. Da es gegen Mittag sehr heiss wird, stellen wir den Wecker auf 5:15 Uhr. Wegen der hohen Feuchtigkeit in der Nacht müssen wir unser Zelt extrem feucht zusammen packe. Wir frühstücken und radeln bereits beim ersten Tageslicht los. Es ist wiederum sehr grün. Unser Weg führt durch Palmöl-, Gummibaum- und Bananenplantagen. Das Highlight dieser Strecke ist dann eine Schotterpiste durch den Dschungel. Wir machen einen langen Mittagsrast im Schatten. Kurz vor Kao Sok dürfen wir bei einem Fussballplatz zelten. Das Lichterlöschen der Scheinwerferanlage wird uns überlassen. Morgen früh als wir unsere Taschen im Dunkeln ertasten, schrecken wir zurück. Unsere Arme und Beine brennen und wir merken, dass wir auf einem Ameisenhaufen geschlafen haben. 😳 Schnell packen wir unsere Sachen und befreien unsere von Ameisen 🐜 🐜🐜🐜 befallenen Taschen. Nach einer ganzen Stunde haben wir es geschafft, dass wir diese fiesen kleinen Tierchen wieder los haben. In Kao Sok erholen wir uns in einem Kafi von dieser morgendlichen Strapaze! Auch nach einer Dusche haben wir immer wieder das Gefühl von beissenden Ameisen attackiert zu werden. Um 15:00 Uhr radeln wir weiter über ein kleines Pässchen und freuen uns über die luftige Abfahrt. Wie schön doch Pässefahren ist! 😀 Bevor es eindunkelt, finden wir unter den Palmen ein Schlafplatz.

Der Wecker klingelt wieder zur frühen Morgensstunde und einmal mehr packen wir das Zelt total nass von der hohen Feuchtigkeit zusammen. Die Landschaft wechselt hier nicht so schnell. Es gibt viele Monokulturen. Das erste Mal sehen wir einen Baum mit Cashnewnuts.

Am Abend dürfen wir in einer Schule in der offenstehenden Aula zelten. Was für ein Luxus es ist mit Licht und Strom zu campieren. Gut ausgeruht, geht es am nächsten Tag nach Ranong.
In der grössten Hitze kommen wir erschöpft in Ranong an. Da uns dieses Städtchen gefällt, suchen wir uns eine günstige Unterkunft und schlendern am Abend durch den Abendmarkt.

Entlang der Grenze zu Myamar radeln wir. Ein weiteres Mal übernachten wir bei einer Schule. Wir sind sehr dankbar, dass die Thais da so unkompliziert sind! 🙏 An diesem Abend werden wir von zwei Familien mit Bananen beschenkt. Wir können dieses Geschenk nicht ablehnen und werden in den nächsten Tagen keine Bananen kaufen müssen😀. Als Andi sein Fahrrad abschliessen will, bemerkt er, dass das Hinterrad bremst. Baum genaueren Beobachten stellen wir fest, dass eine Speiche gebrochen ist. Wir erinnern uns, dass der Rucksackbändel während der Fahrt ins Rad gekommen ist. Dies muss wohl die Ursache gewesen sein. Zum Glück haben wir Licht und die Speiche ist schnell ersetzt.
No photos

Auf dem Weg in Richtung Chumpon treffen wir auf den Deutschen Radler Stefan. Wir versuchen ihm zu helfen die Zeltstangen seines MSR Zelt zu reparieren. Wir wollten in Bangkok ev. ein MSR-Zelt kaufen, da bei unserem Zelt die Reissverschlüsse kaputt sind. Mhm, wir überdenken dies nochmals!🤔 Etwas weiter als Chumpon finden wir ein sehr schöner Schlafplatz direkt am Meer. Wir geniessen unser Frühstück bei einem wunderschönen Sonnenaufgang. Die Strasse hier ist sehr wenig befahren und wir treffen ab und zu auf thailändische Rennradfahrer. Zur Mittagszeit halten wir bei einem Kafi und fragen nach einer frischen Kokosnuss. Leider haben sie keine, jedoch organisieren sie uns welche und schenken uns diese dann sogar! 😀🙏

Die Landschaft hier ist sehr von den Palmölplantagen geprägt. Zum Glück kommen wir am Abend wieder ans Meer und hinter der Schule am Strand zelten wir einmal mehr an einem wunderschönen Ort👍😀 Das Frühstück schmeckt super mit einem so schönen Sonnenaufgang. Wir strampeln die letzten Kilometer nach Bang Saphan Noi, wo wir den Zug nehmen wollen. Dort angekommen, erfahren wir, dass wir erst den Nachtzug nehmen können. Aber die Fahrräder können wir problemlos für 100 Baht (3.-Fr) mitnehmen. Somit erkundschaften wir das Städtchen und treffen auf viele Schweizer und Deutsche, welche hier den Winter verbringen. Wir merken schnell, dass dieser Ort einige schöne Kafis und gute Restaurants zu bieten hat. Im Nachtzug wird es sehr stark runtergekühlt. Zum Glück haben wir einen warmen Schlafsack. Als wir am Morgen in Bangkok ankommen, regnet es. Da es Freitag ist und wir erst am Montag unser Chinavisa besorgen können, suchen wir eine günstige Unterkunft. Dies ist gar nicht so einfach!
Wir nutzen die Zeit in Bangkok, um einige Einkäufe zu erledigen und unser Zelt zu reparieren. Die beiden Reißverschlüsse bei den Eingängen ersetzt Judith geduldig von Hand.

Am Montag gehen wir aufs China Application Center. Nach langem Anstehen reichen unseren Visaantrag und Hotelbuchugen nicht aus. Sie wollten noch unsere Flugtickets sehen, obwohl wir ihnen zu erklären versuchen, dass wir mit dem Fahrrad unterwegs sind. Zudem müssen wir eine Bestätigung schreiben, dass wir unseren Aufenthalt selbst finanzieren. Wir merkten schnell, dass das Kreuz beim Visaantrag „unemployed“ ihnen gar nicht gefällt. Ausserdem brauchten sie noch einen Bankauszug. Kurzerhand schicken sie uns weg und wir haben viel zu erledigen! Das heisst, wir buchen einen Flug in einem Reisebüro, wir erstellen nochmals den Visaantrag neu mit dem Kreuz bei „employed“ und stellen uns am Dienstag erneut in die Reihe, diesmal mit einem Expressantrag. Wir sind erfolgreicher, jedoch müssen wir noch eine Erklärung schreiben, warum unser Thailand-Visa abläuft. Guten Mutes verlassen wir das Visa-Center und hoffen auf eine erfolgreiche Ausstellung in zwei Tagen. Am Mittwoch müssen wir dann noch ein Mail mit einer Erklärung ans Visaapplication Center senden, mit der Begründung wieso wir die Türkei und den Iran bereist haben. Am Freitag, also 4 Tage später, wird uns leider mitgeteilt, dass das China Visa trotz Expressantrag nun 1 Monat dauert. So lange können wir nicht warten! Somit versuchen wir unser Thailand-Visa zu verlängern, wir radeln ans anderen Ende der Stadt (25km). Jedoch schliesst das Immigration Büro bereits um 15:00 Uhr statt wie angenommen um 16:30…. nicht unser Glückstag!😢

Nach einem intensiven Planungsweekend versuchen wir einer unserer Pläne umzusetzen und zwar bei der Schweizer Botschaft einen Austauschpass zu beantragen. Leider klappt dies nicht, da das Schweizergesetz mit zwei Pässe zu reisen nicht erlaubt. Das Problem ist, dass der Austauschort in der Schweiz sein muss und nicht beim Reisenden im Ausland. Dies wiederum macht einen zweiten Reisepass für das Radreisen sinnlos, da man ja beim Überschreiten der Grenze beide Pässe haben muss, da der Ausreisestempel in einem Pass und das Visa fürs nächste Land im anderen Pass ist. Genial wäre dies schon, denn so könnte man nach Passieren der Grenze den nichtverwendeten Pass zur Visaeinholung in die Schweiz senden. Das Beantragen der Visas im Heimatland hat viele Vorteile: Es ist oft viel einfacher ein Visa zu bekommen, man kriegt längere Visas und mühsame Wartezeiten bei Konsulaten unterwegs, können vermieden werden. Mit zwei Pässen zu reisen, ist übrigens bei den Deutschen und Österreicher möglich!!

Da dieser Plan nicht geklappt hat, organisieren wir den Nachtzug nach Nong Khai, um von dort aus nach Vientiane in Laos zu radeln. So haben wir zwei Fliegen auf einen Schlag getroffen, denn wir müssen das Thaivisa nicht verlängern und wir beantragen hier nochmals das Chinavisa. Laut unserer Recherche soll dies hier einfacher gehen.🚂

Sri Lanka

Mitten in der Nacht kommen wir am Flughafen in Negombo an. Unser Airbnb-Host hat uns ein Tuk Tuk organisiert. Unsere beiden Fahrräder passen zur Überraschung von allen Zuschauern perfekt ins Tuk Tuk rein. Nach einer kurzen Nacht bauen wir unsere Räder zusammen und machen uns auf den Weg zum Kitespot in Kalpitiya.

Die Hitze mit dieser hohen Luftfeuchtigkeit erschlägt uns fast. In Chilaw etwa auf halben Weg nach Kalpitiya beginnt es zu regnen. Der erste Regen seit langem. In einem Bakeryshop finden wir ein trockenes Plätzchen. Hier entdecken wir die feinen Rotis. Anders als in Indien sind es Fladenbrote, welche mit einer scharfen Gemüse-, Fleisch-, Fisch- oder Eierfüllung zu haben sind. In Chilaw können wir wieder einmal in einem richtigen Einkaufsladen einkaufen. Wir erkundigen uns nach einer günstigen Unterkunft, welche wir nach einer Labyrinthfahrt finden. Früh Morgens fahren wir noch das letzte Stück nach Kalpitiya. Die teuren Preise hier für Essen, Unterkunft und Kitemiete erschlagen uns fast. Nach langem hin und her entscheiden wir uns doch zu bleiben und finden eine günstige Unterkunft in Kalpitiya. Bei der Lagune gibt es mehrere Kite Resorts. Wir landen bei Srilankakite, wo wir direkt von ihren Bungalows Kiten können. Alle anderen Resorts müssen mit einem Shuttlebus zur anderen Seite der Lagune fahren. Zudem ist der Besitzer Fabio von Srilankakite ein Westschweizer, welcher die Lagune als Erster entdeckt hat. Er ist mehrfacher Snowkite Champion und der beste Kiter auf der Lagune! Somit sind wir ja bestens aufgehoben. Am Sonntag starten wir mit dem Kiten. Am erst Tag nimmt Judith einen Refresher Kurs bei Instruktor Erwin. Am Montag kann sie bereits alleine Höhelaufen. Sie wird noch von Steffen gecoacht. So kann sich Andi unbesorgt mit seinen Jumps beschäftigen. Auch ohne Coach ist Judith weiterhin in besten Händen, die Beachboys behalten sie immer gut im Auge. Wir geniessen auch die Vorteile des Mietens, dass wir nach dem Drink an der Bar uns nicht um die Kites kümmern müssen, da unsere Kites in der Zwischenzeit von den Beachboys bereits verräumt wurden👍.

Kiten ist noch anstrengender als Radfahren. So unternehmen wir als Erholung eine Delfinbootsfahrt und geniessen es, dass der Wind erst gegen Mittag kommt und wir ausschlafen können. Zudem haben wir doch noch ein günstiges und schönes Plätzchen in der Nähe von Srilankakite im Kite Life Resort gefunden. Mit unseren Rädern sind wir mobil und radeln die Holperpiste nach Kalpitiya zum Einkaufen.

Zusammen mit den beiden Österreicherinnen Lisa und ihrer Mutter Elisabeth machen wir eine Sightseeingtour nach Ella. Mit dem Taxi geht es nach Kandy.
In Kandy wimmelt es von Touristen, welche auf den 11:00 Uhr Zug wollen. Nach einer sechsstündigen Zugfahrt kommen wir in Ella an. Die Zugfahrt an und für sich ist ein Riesen Erlebnis. Wir erfreuen uns am Zugsurfen an der Tür und haben die beste Aussicht in die grüne, hügelige und sehr fruchtbare Landschaft. Teeplantagen, Tannenwald, Terassengärten und Regenwald wechseln sich ab, während der Zug auf 1900m.ü.M. langsam hochfährt. Die Eisenbahn wurde 1858 von den Briten gebaut.

In Ella, ein sehr touristisches Dörfchen, übernachten wir. Wegen dem schlechten Wetter zieht es Lisa und Elisabeth in den Süden zum Whale-Watching. Wir trotzen dem Regen und bleiben bei unserem Plan. Am Nachmittag nutzen wir ein trockenes Fenster und wandern zum little Adams-Peak. Das war super schön. Am nächsten Morgen reisen wir mit dem Zug nach Haputale, wo wir eine weitere Wanderung durch die Teeplantagen machen. Es ist sehr schön, auch wenn die Aussicht wegen dem Nebel ausbleibt. Da uns die Zugfahrt zu langsam ist, fahren wir per Tuk Tuk direkt nach Nuwara Eliya, wo wir dann auf den Bus nach Kandy umsteigen. Wir sehnen uns nach unseren Rädern, da wir das Gefühl haben die Gegend gar nicht richtig zu erfahren mit Bus. Zudem haben wir das lange Sitzen satt. Der nächste Morgen ist dann nochmals extrem anstrengend, denn wir reisen mit den öffentlichen Bussen wieder zurück nach Kalpitiya. Die Fahrt mit den hupenden Busse ist spannend, jedoch extrem lange. Wir hatten etwa gleich lange wie per Rad!

Die nächsten beiden Tage Kiten wir nochmals bei besten Windbedingungen. Judith kann nun bestens Höhelaufen und die ersten paar Kehren gelingen ihr.

Bei Sonnenaufgang radeln wir am Sonntag den 4. Februar zurück zum Flughafen. Es ist der Nationalfeiertag von Srilanka. Überall sieht man die Flaggen wehen. Am Mittag finden wir am Beach ein Schattenplatz unter einem Strohdach bei den Fischern. Der Fischer Fernando erkundigt sich nach unseren Namen, Religion und überlässt das Fischen gleich Andi. Leider bleibt der grosse Fang aus. Die Religionzugehörigkeit ist hier sehr wichtig. Fernando zeigt uns stolz sein Kreuz. Obwohl Srilanka 70% Buddhisten hat, treffen wir mehrheitlich auf Musleme und Christen. Denn Kalpitiya ist 70% muslimisch. Dort gibt es Frauen, welche sogar Handschuhe und Gesichtsschleier tragen, welche das ganze Gesicht bedecken. Auf dem Weg nach Negombo fahren wir an vielen Kirchen vorbei.
Religion ist also sehr präsent. Ob der katholische Taxifahrer, der islamistische Tuk Tuk Fahrer oder der hinduistische Busfahrer alle beten für eine gute Fahrt und scheuen nicht auch mit wartenden Gäste am Wegrand kurz bei einer Moschee oder bei einer Statue zu beten.

Fazit: Wir hatten eine super Zeit in Kalpitiya mit dem Kiten und eine spannende Auszeit vom Radeln. Die Lagune ist wirklich super und sehr windsicher. Leider ist der Ort mit den Resorts extrem überteuert und die gegenseitige Konkurrenz und Neid zwischen den Resorts ist extrem! Bei Srilankakite wurde vor zwei Jahren sogar ein Brand gestiftet. Leider haben wir von der Insel ausser unserer kurzen Sightseeingtour nach Ella nicht so viel gesehen. Wir sind aber überzeugt, dass Srilanka sehr gut per Rad zu bereisen ist. Die Infrastruktur scheint besser zu sein als in Indien. In den grösseren Orte gibt es gute Einkaufsmöglichkeiten. Srilanka ist für sehr viele Touristen ein sehr beliebtes Reiseziel. Deshalb ist es schwer günstige Unterkünfte zu finden. Meist fanden wir das Preis-Leistungsverhältnis nicht angepasst. Dies fanden wir ermüdend, da Andi keine Schlafmatte mehr hatte, waren wir auf die Hostels angewiesen. Kulinarisch gefielen uns vor allem die Rotis, welche aber teilweise extrem scharf sind. Die Hoppers wurden zu unserem Lieblingssnack: In kleinen Pfännchen wird eine Art Reisomlett zubereitet und nach Wunsch kann man es mit einem Spiegelei drin haben. Dies war das Einzige was nicht überschärft war! Die Srilangesen lieben es nämlich extrem scharf und übersüsst zu essen. Wir mussten immer aufpassen, dass in die Fruchtsäfte nicht zusätzlich Zucker geworfen wurde. Auch einen ungesüssten Kaffee mit Milch zu bekommen, war meistens ein Ding der Unmöglichkeit, da sie gesüsste Kondensmilch verwenden.

Indien

Confused, incredible India und damit ist das meiste schon gesagt😂 Im Lonely planet lesen wir, dass auch erfahrene Traveller an ihre Grenzen kommen. Dies beruhigt uns sehr. Nachdem uns einige indienerfahrene Reisende abrieten mit dem Velo Indien zu bereisen, waren wir plötzlich unsicher, ob das Velo das richtige Fortbewegungsmittel für Indien ist. Letztendlich entschlossen wir uns die Räder sicher einmal mit nach Bangalore zu nehmen.

In Bangalore werden wir herzlichst von unseren Warmshower.org Lena und Nikhil aufgenommen. Lena ist Deutsche und lebt seit 5 Jahren in Indien und nun zusammen mit ihrem indischen Mann Nikhil. Sie ist eine ambitionierte Radfahrerin und nimmt erfolgreich bei den boomenden Radrennen in Südindien teil. Nikhil hat ein Radgeschäft. Sie ermutigen uns Indien mit dem Rad zu bereisen, denn die kleinen Strassen seien wirklich gut und meist sehr ruhig. Ihre Begeisterung packt uns und wir freuen uns wieder aufs Radeln. Zuerst aber demontieren wir unsere Lowrider, unsere schwerem Doppelständer und Nikhil hilft uns unsere hydraulischen Bremsen auf eine altbewährte mechanische Bremse zu wechseln. Unsere beiden Vordertaschen dürfen wir den beiden mit nach Deutschland geben, wo sie Weihnachten verbringen und von wo sie uns diese in die Schweiz senden. Nikhil und Lena führen uns ins feine indische Essen ein. Wir probieren die Dosas “Eine Art Reisomlette”, welche unterschiedlich gefüllt wird, Roti “Fladenbrot” mit den verschiedensten Masalas “gewürzte Gemüse oder Fleischgerichte”. Nach fast einer ganzen Woche in Bangalore machen wir uns auf den Weg nach Goa.

Wir schlängeln uns durch den chaotischen Verkehr der Stadt. Es wird gedrängelt, gehupt, überholt und plötzlich muss einer Kuh ausgewichen werden.
Lustig wird es als die Barriere beim Bahnübergang unten ist. Es wird aus der Spur ausgeschert und auf der ganzen breite der Strasse bis zur Barriere aufgeschlossen, für uns als etwas später dazukommende, sieht es wie eine Einbahnstrasse aus.
Erst als die Barriere wieder nach oben geht und der Gegenverkehr versucht auf seiner Spur durchzukommen, realisieren wir das Chaos.

Kaum sind wir ausserhalb der Stadt auf kleinen Strassen, sind wir fast alleine. Zu unserer grosser Überraschung versteht bereits im ersten Dorf niemand mehr Englisch, obwohl es die Amtssprache ist! “Country?” und “Selfie” sind meistens die einzigen Wörter, welche sie aber ausgezeichnet beherrschen. Erschwerend dazu kommt, dass sich die Sprache fast von Dorf zu Dorf wieder ändert. Einmal sprechen sie Hindi, dann Kannada und Telugu 😳 Wenn dann jemand Englisch spricht, ist es sehr schwierig für uns sie zu verstehen, da sie meist sehr schnell sprechen und es immer noch sehr indisch tönt. Auch die Aussprache und Betonung ist extrem wichtig. Das von uns geliebte Joghurt “curd” verstehen sie erst, wenn wir es aufschreiben. Und dies ist noch nicht alles! Zur weiteren Verwirrung und Erschwerung der Kommunikation kommt das Kopfwackeln😂
Halten wir in einem Dorf werden wir sogleich von einer riesen Menschentraube, meist Männer, umgeben. Fragen wir sie dann zum Beispiel wo wir Bananen kaufen können, dann weiss niemand etwas. Sie schauen sich gegenseitig an, beginnen miteinander zu diskutieren und wackeln mit dem Kopf. Eine Antwort bekommen wir selten und wir müssen selber weiter schauen. Wir und unsere Räder werden genaustens bestaunt. Dabei ist die Gangschaltung immer ein Thema sowie unsere Benzinflaschen. Wir werden oft nach dem Zylinder gefragt. Einige meinen, dass es dies für die Gangschaltung braucht.
Die Landschaft und die super einsamen und schönen Strässchen gefällt uns extrem! All die von uns gelesenen Berichte, dass Indien per Rad zu bereisen nicht optimal und zu gefährlich sei, können wir absolut nicht bestätigen! Wir müssen sagen, dass wir es im Gegenteil empfinden: Indien ist für uns betreffend Landschaft und einsamen und kleinen Strassen das beste Veloland bis jetzt!

In unserer ersten Mittagspause sind wir in einem kleinen Dorf. Da wir davon ausgingen, dass wir immer wieder Einkaufsmöglichkeiten finden werden, haben wir keine Vorräte gepackt. Nun stellt sich heraus, dass es in den kleinen Dörfer meist gar keine Shops gibt oder nur kioskartig. So fragen wir nach einem Kaffee, der für uns extra zubereitet wird. In der Mitte des Dorfes geniessen wir diesen. In Indien bekommt man sehr guten Kaffee, meist mit Milch in einem ganz kleinen Becher. Es kommen immer mehr Menschen vom Dorf uns zu bestaunen. Dann wird der Sohn des Lehrers gerufen, welcher uns zu sich nach Hause einlädt. Der Lehrer spricht zu unserer Freude etwas Englisch. Stolz zeigt er sein Badezimmer, in welchem es eine Art Badewanne mit kaltem Wasser hat und in einer Art Tonofen hat es warmes Wasser. Das Klo ist in einem separaten Gebäude und wird mit der Nachbarschaft geteilt. Alles ist aber sehr sauber. Nach der kleinen Erfrischung wird uns selbstgemachte Chapatis mit Reis, curd und Gemüse serviert. Es schmeckt sehr lecker, nur ist es etwas ungewöhnlich für uns das erste Mal mit den Händen zu essen und dazu noch die ganze Nachbarschaft als Zuschauer zu haben😂 Nach dem Essen wird für die Fotos sogar eine gute Nikkon Kamera geholt. Der Lehrer wundert sich, dass Judith keinen Schmuck trägt und zeigt stolz auf seine mit vielem Schmuck bestückte Frau. Zum Schluss wird Judith einen roten Punkt auf die Stirn gedrückt und die Wangen mit gelbem Pulver bestrichen. Dieses kleine Segensritual wird von drei Frauen wiederholt. Gestärkt und gerührt von dieser Herzlichkeit verabschieden wir uns und radeln zu dem uns empfohlenen Hindutempel.

Bereits als es eindunkelt, treffen wir in Madhugiri ein, wo wir eine gute, günstige Unterkunft “Lodge” finden. Ganz nach indischer Art starten wir den Tag mit einem Dosa und cyclen durch die schöne Landschaft. Am Mittag werden wir wiederum von einem Lehrer eingeladen. Dieser nimmt uns dann auch noch mit zur Schule. Es ist eine öffentliche Schule und eine Mädchenklasse mit 150 Schülerinnen empfängt uns kreischend, wir fühlen uns fast wie Popstars. Im Schulzimmer bittet der Assistent des Lehrers um Ruhe und die Mädchen setzen sich dicht an dicht auf den Fussboden. Als Judith erzählt, dass sie Lehrerin sei, wird sie gebeten mit den Mädchen zu singen. Auf dem Weiterweg stoppen wir bei einer Familie, welche mit der Erdnussernte beschäftigt ist. Sie freuen sich für unser Interesse und schenken uns Erdnüsse. Da sie uns nicht zu sehen können, wie umständlich wir diese öffnen, entschliessen sich zwei Frauen uns diese zu schälen und geschickt sind in kürzester Zeit die Erdnüsse geschält.

Als es dämmert, gibt es eine richtige Völkerwanderung von den Feldern in die Dörfer. Frauen, Männer, Kinder, Ziegen und Kühe gehen nach Hause. Auf den Feldern kehrt Ruhe ein. Dies sehen wir als perfekte Gelegenheit frei zu campieren, was laut den von uns gelesenen Berichte in Indien nicht möglich sei. Ohne dass uns jemand entdeckt hat, schaffen wir es unser Zelt aufzustellen. Sicherheitshalber hängen wir unseren Foodsack an einen Baum, um nächtliche Besucher vom Zelt fernzuhalten. Es soll Bären und Affen in dieser bergigen und felsigen Gegend haben. Am Morgen früh packen wir unsere Sachen, nachdem wir dann doch von einem Inder entdeckt wurden.

In Hampi angekommen, radeln wir durch die Tempelruinen und bewundern vor allem die wunderschöne felsige Landschaft mit den Bananenplantagen und Reisfeldern. Bevor wir mit einem Boot den Fluss überqueren, kauft Judith noch Bananen ein. Kaum hält sie diese in der Plastiktasche, wird sie von einem frechen Affen überrascht, welcher flink mit zwei Bananen davon huscht! 😳 Als Andi dann nochmals kauft, muss die Verkäuferin uns mit einem Stecken vor den Affen schützen, bis die Bananen in den Radtaschen in Sicherheit gebracht werden können. Auf der schönen Insel gibt es ein Hostel nach dem anderen. Nur noch hier in diesem Bereich dürfen die Touristen beherbergt werden. Wir finden ein schmuckes Plätzchen im “the Goan Garden”. Da lernen wir viele Backpackers kennen und viele Boulderer, welche nach Hampi zum bouldern kommen. Immer wieder wird uns und unserer Reise grosses Interesse geschenkt. Wir geniessen die frischen Shakes, das feine Essen und die romantischen Sonnenuntergänge auf den Felsen. Wir sind nicht die Einzigen, welche von den Felsen die schöne Aussicht auf die Reisfelder und Palmen geniessen.
Am nächsten Morgen erwarten wir gespannt die fünfköpfige, kanadische Familie. Das Treffen hat unser nächster Warmshower.org organisiert. Wow, die Familie ist seit vier Monaten unterwegs auf ihrer einjährigen Reise. Die drei Jungs (13, 15 und 16 Jahre alt) sind sehr selbstständig und pflichtbewusst. Obwohl sie von der Schule ein Jahr Pause bekommen hätten, folgen sie freiwillig einem online Schulkurs. Die beiden Eltern Rick und Tanya sind sehr reisefreudig und -erfahren. Als Familie ist es nun bereits die zweite längere Reise per Rad. Als die Jungs 4,6 und 7 Jahre alt waren, sind sie durch die USA gestrampelt. Wir kommen nicht aus dem Staunen heraus. Diese Begegnung mit dieser Familie ist so inspirierend für uns.

Obwohl Andi noch gerne in Hampi geblieben wäre, machen wir uns nach drei relaxten Tage auf den Weg weiter nach Hubballi zu unserem Warmshower Vivitt. Grosse Maisfelder, Sonnenblumenfelder, Chilli- und Baumwollplantagen prägen das Landschaftsbild durch welche wir radeln. Nach einem langen Radeltag finden wir, dann doch noch einen geeigneten Schlafplatz. Neben dem Goverment-Guesthouse dürfen wir nach langem hin und her zelten. Als wir bereits schlafen, kommt der Besitzer zurück und ruft bis wir dann beide wieder wach sind. Was er genau wollte, wissen wir bis jetzt nicht. Irgendwie war er aber enttäuscht, dass wir nicht mehr rauskamen. Am nächsten Tag ist es Judith nach dem Frühstück schlecht. Erst um Mittagszeit unter Palmen kann sie erbrechen und sie fühlt sich ein bisschen besser. Wir suchen eine nächste Unterkunft, denn Judith braucht dringend Erholung. In der Nacht bekommt sie Fieber und Durchfall. Trotz unserer Vorsicht muss sie etwas aufgelesen haben. Dass Judith nicht weiter radeln kann, wird schnell klar und so brechen wir erst am nächsten Tag auf.
Am Abend klopft es an der Tür. Der Guesthouse Besitzer erkundigt sich, ob wir auch etwas essen.
Andi bestellt Hähnchen mit Roti auf 20:00 Uhr, was der Besitzer mit einem Kopfschütteln bestätigt oder vielleicht fragt er sich nur, was wir Fremde normalerweise essen, denn um 20:30 Uhr wusste niemand etwas von dieser Bestellung!

Zum Glück geht es Judith wieder besser und zum Glück ist es nicht mehr weit nach Hubballi. In Hubballi entdecken wir einen Decathlon, bei welchem wir freudig ein paar Dinge kaufen. Herzlich werden wir von Vivitts Mutter und Grossmutter empfangen. Vivitt kommt erst nach 21:00 Uhr von der Arbeit nach Hause. Beim Abendessen bekommen wir das erste Mal klare Instruktion, wie mit den Fingern gegessen wird. Es gibt da ganz strikte Regeln und dies muss geübt sein! Der Reis wird im Teller zu einer kleinen Kugel geformt, auf drei Finger geladen und dann mit dem Daumen in den Mund geschoben. Kein Wunder war es für die Inder amüsierend uns beim Essen zu zuschauen, denn wir verloren teilweise den Reis oder Andi hielt den Kopf nach hinten und liess den Reis von oben in den Mund fallen😂 Schweren Herzens verabschieden wir uns bereits am nächsten Morgen von unseren neuen Freunden, da Weihnachten immer näher rückt und wir dann in Goa sein möchten. Es ist unglaublich wie schnell wir die Warmshower jeweils ins Herz schliessen.

Die nächsten drei Tage sind für Judith sehr streng. Sie ist immer noch geschwächt. Unsere Route führt uns durch den Dschungel und wir zelten auch das erste Mal dort. Den Tiger sehen wir zum Glück nur auf den Plakaten am Strassenrand. Dafür sehen wir eine handgrosse Spinne und Affen. Am zweiten Tag vernichten wir auf einer kurvenreichen, vielbefahrenen und steilen Strasse viele Höhenmeter runter auf Meereshöhe. Am Weihnachtstag fahren wir noch die letzten Kilometer nach Goa. Glücklich, aber sehr erschöpft, checken wir in ein Airbnb Hotel ein, in welchem wir gleich bis zum 1. Januar bleiben.

Wir und unsere Beine brauchen endlich eine Pause. Das Reisen in Indien ist extrem anstrengend! Wir mieten ein Scooter und erkunden so die verschiedenen Restaurants und Beaches. Leider ist die Silvesterparty im bekannten Hilltop mit den weltbesten Goa-DJs ausgebucht und die Abendkassentickets, welche je 75 Franken kosten, sind uns dann doch zu teuer. Besonders am Silvesterabend steigt des öfteren die Stromversorgung aus. Stromausfall gehört zum indischen Alltag mit dazu.

Am 2. Januar zieht es uns dann wieder aufs Velo und unter den Palmenplantagen entlang des Meeres zu fahren, macht extrem viel Spass. In Agonda machen wir nochmals einen Ruhetag. Erstaunlicherweise und zu unserer Enttäuschung sind auch hier ausserhalb der touristischen Orte die Infrastruktur und die Restaurants sehr schlecht. Der Verkehr und vor allem die Busse mit den ohrenbetäubenden Hupen machen uns fertig. Zum Glück finden wir kurz vor Gokarna einen sensationellen Zeltplatz gerade an der Beach. An Judiths Geburtstag radeln wir zum bekannten OM-Beach. Ein steiler Weg über einen Pass führt uns zu dieser Bucht, welche zum Schluss mit einer steilen und langen Treppe zugänglich ist. Da niemand auf unsere Räder aufpassen wollte, entschlossen wir uns diese touristischen Restaurants auszulassen und weiter zu fahren. Schade, dass wir so wenig Unterstützung erfahren haben. Der Tourismus kann vieles kaputt machen. Eine kleine Fähre bringt uns über einen Fluss zur Nirvana Beach. Dort werden wir von einem Koch bekocht. Wir peilen einen Zeltplatz an, jedoch verlangten diese so viel, wie noch nie zuvor. Müde fahren wir auf einer extrem befahrenen Strasse weiter und finden ein etwas überteuertes Hostel, jedoch schafft es Andi den Preis zu drücken. Solche Erlebnisse, um Preise zu kämpfen und zu merken, dass von Touristen so viel mehr Geld verlangt wird, ist ermüdend. Andis Bauch rumort zudem und wir müssen feststellen, dass diesmal Andi etwas aufgelesen hat. Wir diskutieren viel über die Weiterreise und Kiten in Sri Lanka ist dauernd ein Thema. Kurzentschlossen buchen wir am nächsten Morgen den Flug von Goa nach Colombo. So heisst es also wieder zurück zu fahren. Wir freuen uns auf den Rückweg, da wir für einmal genau im Voraus wissen, wo wir essen und übernachten werden. Die Abenteuerlust ist etwas abgeflacht. Ein Zeichen, dass wir reise- und Velomüde sind. Beim wunderschönen Zeltplatz bei Gokarna kuriert Andi seine Magendarmverstimmung aus. Und schon wieder geht Andis Expedmatte kaputt. Zum Glück hat er noch Garantie und Exped sendet ihm ohne zu zögern eine neue Matte nach Thailand, wo wir dann im Februar sein werden. Am Flughafen in Goa zeigen wir den Indern, wie wir unsere Räder verpacken können und sie so problemlos in das kleine Propeller Flugzeug passen. Mitten in der Nacht kommen wir in Sri Lanka an.

Fazit:
Indien ist ein sehr spannendes Land und der Teil, den wir gesehen haben, ist gut mit dem Rad zu bereisen. Die indische Küche schmeckt uns sehr, jedoch ist sie leider nicht in den kleinen Dörfern zu finden.
Es wird oft gesagt, dass man Indien entweder liebt oder hasst. Wir können beides nicht wirklich sagen. Wir wurden mit den Indern einfach nicht so warm. Wir hatten extrem schöne und herzliche Begegnungen, jedoch leider sehr selten. Es hat bestimmt auch mit unserer Verfassung zu tun, dass wir müde und beide je einmal krank waren. Von einigen Indern haben wir uns sehr geeckelt. Es wird gespuckt, wann es dem Mann gerade recht ist. Weiter hat uns die laute, ohrenbetäubende Hupe der LKWs und Busse extrem gestört und genervt.
Kerala muss sehr schön sein und wir wären dies noch gerne geradelt. Aber die Entscheidung nach Sri Lanka zu fliegen war für unser Gemüt die richtige Entscheidung😀